Wie ich die Liebe zur Natur wiederfand

Warum die fehlende Verbindung zur Natur unglücklich macht und unsere Umwelt zerstört

Seit zwei Monaten bin ich nun schon als Digitale Nomadin auf Koh Phangan in Thailand. Viele wünschen sich einen Artikel darüber, wie ich das geschafft habe. Ich kann nur sagen, dass es viel Vertrauen in das Leben und Mut zur Veränderung braucht. Vielleicht schreibe ich ein anderes Mal ausführlicher darüber. Denn mir brennt derzeit ein ganz anderes Thema auf der Seele:

∼ Wie konnte ich im Laufe meines Lebens nur so die Verbindung zur Natur verlieren? ∼

Die Liebe zur Natur wiederfinden

Ich erinnere mich an Streifzüge durch Wälder und Felder als kleines Mädchen. An Wanderungen mit meiner Familie, bei denen ich von Feen im Unterholz träumte. Ich wünschte mir ganz klein zu sein, um mit den Bewohnern des Waldes sprechen zu können. Natürlich war da auch als Erwachsene stets diese Faszination, das gute Gefühl im Wald, in den Bergen oder im Stadtpark.

Aber nie war mir bewusst, dass die Lücke in meinem Leben, dieses Gefühl nicht vollständig und von etwas abgegrenzt zu sein, die fehlende Verbindung zur Natur war.

Kein Mensch und kein Job konnten diese Lücke füllen. Wir leben eingepfercht in Betonbunker und uns umgeben nur noch wenige grüne Flächen. Wir haben die Verbindung verloren. Noch vor wenigen Jahrzehnten lebten die Menschen im Einklang oder zumindest in Verbindung mit der Natur. Aber durch den klammheimlichen Einzug von Industrialisierung, Technisierung und Urbanisierung wurde unser Leben komplexer, lauter und wir begannen zu vergessen.

Seit ich auf Koh Phangan bin, hat sich mein Bewusstsein verändert.

Es war wie ein Schock, das alles zu erkennen. Ich genieße das üppige Grün um mich herum, die Ruhe der Wälder, die Geräusche der Tiere, den Duft der Erde. Mein Leben spielt sich hier zu 99 Prozent draußen ab. Ich sehe Bäume und Pflanzen in aller Pracht ganz klar vor mir. Die faszinierenden Farben und Muster, ihre ruhige und beständige Kraft und Energie. Ein Wunder, eingebettet in den Kreislauf der Lebens. Ich bin ein Teil davon und das kann ich hier so intensiv spüren wie nie zuvor. Ehrfürchtig, freundschaftlich, respektvoll. Der Gedanke, dass wir Menschen diese heiligen Wesen zerstören, ihren Lebensraum ohne nachzudenken verändern, sie züchten um sie zu töten. Das schmerzt mich so sehr, dass ich weinen muss. Ist das normal? Ich weiß es nicht… Abholzung, Massentierhaltung, Klimawandel, Plastik, Palmöl… das alles sind ja keine Neuigkeiten. Aber noch nie zuvor habe ich so intensiv darüber nachgedacht und hinein gespürt.

Liebe zur Natur. Palmen und Khao Ra auf Koh Phangan.

Die Farbe Grün, Bäume und Pflanzen wirken sich positiv auf die körperliche und psychische Gesundheit aus.

Bestimmt kennst du auch dieses Gefühl der Ehrfurcht, wenn du von Wäldern und Natur umgeben bist. Dir wird leichter ums Herz, dein Puls entspannt sich und du bist einfach nur zufrieden und glücklicher, ohne richtig zu wissen weshalb… In Japan ist „Shinrin-yoku“ oder auch „forest bathing“ anerkannte präventive Medizin. Denn Studien haben bewiesen, dass der regelmäßige Aufenthalt in der Natur das Immunsystem stärkt, den Blutdruck senkt, Stress reduziert oder auch bei der Genesung von Krankheiten unterstützt.

„We depend on nature not only for our physical survival. We also need nature to show us the way home, the way out of the prison or our own minds. We got lost in doing, thinking, remembering, anticipating – lost in a maze of complexity and a world of problems. We have forgotten what rocks, plants and animals still know. We have forgotten how to be – to be still, to be ourselves, to be where life is: Here and Now“ (Eckart Tolle, Stille Spricht)

Unplugging and reconnecting to nature on a spirit quest

Ich habe Kyle auf Koh Phangan kennengelernt. Er ist eine sprudelnde Quelle voller Inspiration und Wissen. Seine Mission ist es, Menschen dabei zu helfen, ihre Verbindung zur Natur wieder zu entdecken. Durch regelmäßige „Spirit Quests“ im Wald verbindet er sich immer wieder mit der Natur und findet in seine Balance. Mehr Informationen über Spirit Quest Adventures und Workshops von The Animist.

All die Jahre war es verschüttet, dieses klare Bewusstsein um den Kreislauf von Leben und Vergänglichkeit.

Ich war so abgestumpft in meinem alltäglichen, deutschen Leben. Keine Zeit und Energie, über so etwas nachzudenken. Und hier, mitten in der Natur, in meinem neuen Leben mit viel Zeit und Freiheit, stürzen diese Empfindungen plötzlich auf mich ein. Pflanzen, Tiere und Menschen sind gleichmäßig beteiligt an unserem unermeßlichen Ökosystem. Ein komplexes, ausgeklügeltes Gebilde aus biochemischen Prozessen die ineinandergreifen, um unser Leben auf der Erde zu ermöglichen. Sobald wir einzelne Komponenten verändern, kann das System auf lange Sicht nicht mehr funktionieren.

Hast du dir schonmal bewusst gemacht, dass du mit jedem Atemzug im Einklang mit den Pflanzen atmest?

Jede Ausatmung bedeutet eine Einatmung für einen Baum und umgekehrt. Wir zerstören nicht irgendwelche Dinge, sondern Lebewesen. Denn Bäume bewegen sich zwar nicht und haben wahrscheinlich kein Bewusstsein wie wir Menschen. Sie sind jedoch intelligenter und sozialer als wir vielleicht meinen. Sie kümmern sich um ihre Baum-Familie und Freunde der selben Art.

Liebe zur Natur. Wurzeln am Strand auf Koh Phangan.

Über ein kilometerweites Informationsnetzwerk aus Wurzeln und Pilzgeflechten kommunizieren Bäume miteinander.

Wenn ein Baum von Insekten oder Menschen verletzt wird oder zu wenig Sonnenlicht für die Photosynthese erhält, dann werden über dieses Netzwerk nötige Nährstoffe weitergeleitet. Ein gigantisches Wood-Wide-Web. Bäume werden hunderte Jahre alt. Manch einer hat ganze Kriege erlebt und steht immer noch, stumm und stolz. Soll er nun getötet werden, weil er jungen Bäumen für die Holzwirtschaft das Licht zum schnell wachsen nimmt? Um den Weg für Bau- oder Landwirtschaftsprojekte frei zu machen? Weil Regenwald für Sojaanbau abgeholzt wird, damit wir unseren unverhältnismäßigen Fleischkonsum stillen können? Es gibt so viele unverständliche Dinge die passieren.

TED-Talk von Suzanne Simard: Nature’s internet: how trees talk to each other in a healthy forest

Durch die Abspaltung von der Natur verletzen wir uns selbst

Derzeit beschäftige ich mich viel mit diesen Themen. Ich sehe mir Dokumentationen an, lese Bücher, spreche mit Gleichgesinnten, um die großen Zusammenhänge besser zu verstehen. Zu begreifen was schief läuft und darüber nachzudenken, warum wir es geschehen lassen. Warum dürfen Palmwälder für Palmöl abgebrannt werden? Weshalb tut niemand etwas gegen die Abholzung des Regenwalds? Wir haben Angst vor dem Klimawandel und lassen doch zu, dass Wälder dezimiert und vernichtet werden. Die Lunge der Welt! Die Wesen, die das CO2 speichern, das unsere Atmosphäre verändert. Ich denke, dass dies alles geschehen kann, weil wir uns abgespaltet haben. Es gibt keine lebendige, erfüllende Verbindung zur Natur mehr. Dadurch spüren wir nicht, dass wir uns eigentlich selbst verletzen mit unserem Verhalten. Wir können und wollen nicht wahrhaben was passiert. Denn wir fühlen und ohnmächtig und hilflos. Statt uns als Einzelner zu informieren und engagieren, bleiben wir untätig.

„Wie zerstören unseren eigenen Lebensraum und halten uns trotzdem für das intelligenteste Lebewesen auf der Erde. Das nennt man wohl Dunning-Kruger-Effekt.“ (Zitat Franziska Eitle)

Liebe zur Natur. Bäume und Baumrinde auf Koh Phangan.

Nachhaltig das Bewusstsein der Menschen verändern

Mir ist bewusst, dass ich noch lange nicht alle Aspekte und Zusammenhänge erfasst habe. Was können wir tun? Natürlich sollten wir verstärkt die Nähe zur Natur suchen und mehr Zeit in Wäldern verbringen. Wir können einen Schrebergarten oder Häuschen im Grünen kaufen, Bäume pflanzen, Gemüse anbauen und uns umweltbewusst verhalten. Zudem gibt es unzählige Aktionen für die Aufforstung von Wäldern und diverse Nachhaltigkeits-Projekte auf der ganzen Welt.

Wenn viele Einzelne es schaffen, zu dem Gefühl von Einheit mit Mutter Natur zurückzufinden, dann könnte nachhaltig etwas verändert werden. Wir inspirieren Freunde, Familie und geben das Wissen an unsere Nachfahren weiter. Viele indigene Völker bedenken die Effekte ihrer Handlungen für die nächsten sieben Generationen. Selbst wenn wir die positiven Veränderungen nicht mehr miterleben, so würden wir die Erde für unsere Nachfahren am Leben erhalten.

3 Tipps, um deine Verbindung zur Natur zu spüren

Um eine positive Veränderungen zu bewirken, sollten wir also an der Wurzel anfangen. Daher möchte ich drei Dinge mit euch teilen, die mich in den letzten Wochen sehr inspiriert haben.

  1. Wahrnehmen: Gehe in den Wald, schließe die Augen und nimm bewusst wahr: Geräusche, Geruch, den Wind auf deiner Haut und die Verbindung zur Erde unter deinen Füßen. Mach dir klar, dass du mit jeder Ausatmung und Einatmung gemeinsam mit den Bäumen atmest. Eine Meditation im Wald!
  2. Grounding: Laufe barfuß und spüre den Kontakt zur Erde unter deinen Füßen. Heutzutage ist unser Körper fast immer durch Schuhsohlen von der Erde isoliert. Es gibt Studien, dass wir unseren Körper durch Barfusslaufen elektrisch erden und sich so das Nervensystem beruhigt. Wir fühlen uns zentrierter, stärker und Stress und Anspannung werden abgebaut.
  3. Nähe suchen: Sieh dir ganz genau an, wie wundersam so ein Baum aufgebaut ist: Seine raue oder glatte Rinde, verschiedene Farben, kleine Löcher, Insekten, andere Pflanzen die auf ihm wachsen und das prächtige Blätter- oder Nadeldach. Mach dir klar, welch geniales Wunderwerk dort vor dir steht. Natürlich darfst du auch immer mal wieder einen Baum berühren und umarmen 😉

Liebe zur Natur. Palmen und Dschungel auf Koh Phangan.

Doku-Tipp: „Home“ von Arthus Bertrand

Beeindruckende Bilder zeigen zerstörte Ökosysteme und die schwerwiegenden Folgen für die Zukunft unserer Erde. Dokumentar Film Home

Buch-Tipp: Das geheime Leben der Bäume: Was sie fühlen, wie sie kommunizieren

Peter Wohlleben erzählt beeindruckend von der Entdeckung einer verborgenen Welt. Das geheime Leben der Bäume

Inspirierende Sprüche über die Natur

„Die Seele wird vom Pflastertreten krumm. Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden und tauscht bei ihnen seine Seele um. Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.“ (Erich Kästner)

„Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen – unvermögend aus ihr herauszutreten und unvermögend, tiefer in sie hineinzukommen.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

 

 

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