Yoga und Business – wo liegen hier die Grenzen?

Oder: Warum „Yogalino“ jetzt Yogaline heißt

Ich sollte verklagt werden. Von einem großen Yogashop, dem mein Seitenname ein Dorn im Auge war. Was dabei in mir vorgegangen ist, möchte ich gerne mit euch teilen. Leider musste ich erfahren, dass selbst Geschäftsführer im Yoga Business (wie furchtbar das Wort auch klingt, aber ja Yoga ist heute oft einfach auch nur Business) auf ihrem Weg zum Erfolg, oft einfache Prinzipien des Yogas wie z.B. „Ahimsa“ nicht achten. Ahimsa ist ein so einleuchtendes Prinzip, dass es meiner Meinung nach nicht mal unbedingt nur etwas mit Yoga zu tun hat. Es geht dabei einfach nur um Menschlichkeit, Einfühlungsvermögen und „Nicht-Schaden“ auf geistiger, körperlicher und seelischer Ebene.

Yoga Business

Yogashop Klage wegen ähnlicher Markennamen

Ich habe BWL studiert, arbeite im Online Marketing und habe in den letzten Jahren einige Geschäftsführer bei ihren täglichen Herausforderungen begleitet und beobachten können. Es gibt viele, die sich bei geschäftlichen Entscheidungen ihrem Gewissen verpflichtet fühlen. Leider gibt es auch diejenigen, die im Namen des Erfolgs jeglichen „Kollateralschaden“ in Kauf nehmen. Als ich nun diese E-Mail von einem mir unbekannten Online Yogashop erhielt, war ich doch sehr überrascht. Diesem Yogashop gehört unter anderem ein Yogaprodukt mit einem Markennamen, der dem Namen „Yogalino“ zufälligerweise phonetisch sehr ähnlich ist. Ich habe damals sehr lange Brainstorming betrieben, um auf den Namen „Yogalino“ zu kommen und wusste nicht, dass es bereits eine ähnliche Marke (die noch eher unbekannt scheint) gibt. Selbst wenn ich es gewusst hätte, hätte ich mir wahrscheinlich keine Gedanken darum gemacht. Leider sieht das dieser Yogashop nicht so, da er die Rechte an der Wortmarke besitzt und forderte mich in der E-Mail auf, meine Website umgehend einzustellen und alles zu entfernen, was zu einer Verwechslung der Namen führen könnte.

Meinen privaten Yoga Blog aufgeben?

Diese E-Mail traf mich wie ein Schlag: „Yogalino“ aufgeben? Das Projekt in das ich so viel Energie, Leidenschaft und Herzblut gesteckt habe? Das mir monatelang über eine schwere Lebensphase hinweggeholfen hat. Ich konnte einfach nicht fassen, dass mir dieses Unternehmen das alles von einem Moment auf den nächsten nehmen wollte. Ich fand es sehr schade und erschreckend, dass sie nicht einmal auf Kompromisse oder eine mögliche Zusammenarbeiten eingehen wollten, sondern mir pure Absicht und Böswilligkeit unterstellten. „Wie bereits mitgeteilt, begehen Sie eine Markenrechtsverletzung. Somit ist es völlig überflüssig, eine Zusammenarbeit anzubieten.“ Man forderte sogar eine Unterlassungserklärung, dass ich in den kommenden Jahren niemals Yogakurse unter dem Namen anbieten werde oder Veranstaltungen im Yogabereich bewerbe.

Herausforderungen: Ahimsa und Loslassen

Ab diesem Moment konnte auch ich Ahimsa nicht mehr so richtig treu sein und ich muss sagen, dass ich sehr viel negative Gedanken hatte. Die haben mir auch einen Teil meines Neuseeland Trips verdorben. Ahimsa bedeutet halt auch, selbst wenn man angegriffen wird, ruhig zu bleiben und keine schlechten Gedanken zu hegen. Das fiel mir in diesem Moment leider unglaublich schwer und meine Emotionen schwankten sehr zwischen ein paar Tränen und Wut. Um Ahimsa wirklich umfassend zu leben, braucht man tatsächlich sehr viel Stärke, Mut und Furchtlosigkeit und ich werde wohl weiterhin daran arbeiten müssen… Das alles ist mittlerweile ein paar Wochen her und nachdem ich mich mit einem neuen Namen arrangiert habe und die Website umgezogen wurde, konnte ich mit dem Thema auch etwas abschließen. Ich versuche nicht mehr all zu viel darüber nachzudenken und nicht anzuhaften. Meine Gedanken darüber werden nun auch nichts mehr ändern und mich nur in einer Negativspirale abwärts ziehen.

Moralische Grenzen für authentische Yoga-Unternehmen?

Letztendlich war mir klar, dass der Yogashop vor dem Gericht Recht bekommen würde, da sie eine eingetragene Marke besitzen und die Ähnlichkeit natürlich da ist. Da schützt mich auch meine Unwissenheit und Unbedarftheit nicht, mit der ich „Yogalino“ aufgebaut habe. Eigentlich darf ich mich ja fast schon geehrt fühlen, dass jemand meinen privaten Yogablog als so eine Bedrohung für seine eigene Marke empfindet. Daher werdet ihr Yogalino ab sofort unter dem Namen „Yogaline“ kennenlernen und ansonsten bleibt hoffentlich alles beim Alten 🙂

Die zentrale Frage für mich ist, wo hier eigentlich die (yogischen) Grenzen sind. Natürlich ist das Gesetz in diesem Fall wohl nicht auf meiner Seite. Hier nimmt niemand Rücksicht auf meine persönlichen Befindlichkeiten und ich muss mich wohl mit der Ungerechtigkeit einfach abfinden. Ich besitze nicht die finanziellen Möglichkeiten, mich dagegen zu wehren. Aber ich frage mich, ob ein Yoga-Unternehmen denn wirklich so weit gehen muss? Sollten sie nicht viel lieber die Energie in den Aufbau ihrer eigenen Marke stecken, so dass ein kleiner privater Blog mit ähnlichem Namen nicht mehr als Bedrohung empfunden werden muss? Da steht eine größere Firma mit finanziellen Ressourcen einem privaten Hobby-Blog gegenüber und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie nur erfolgreich sein können, in dem sie anderen Menschen ihr Werk kaputt machen? Ich bin nicht naiv und natürlich ist mir klar, dass man in der Geschäftswelt nicht immer aus dem Herzen heraus entscheiden kann. Nur scheint mir das Ganze nicht verhältnismäßig und die Art und Weise wie mit mir kommuniziert wurde, empfand ich einfach als sehr verletzend.

Ist es für Yogis umso schwerer ein erfolgreiches Geschäft aufzubauen, wenn sie nicht jedes Mittel zum Erfolg einsetzen wollen? Ich würde mich sehr über eure Meinung zu dem Thema freuen. Habt ihr schon ähnliches erlebt? Musstet ihr auch schonmal für euer Business anderen Menschen etwas kaputt machen oder wurde euch geschadet?

6 Gedanken zu „Yoga und Business – wo liegen hier die Grenzen?

  1. Liebe Anastasia,
    ja es ist wirklich Schade. Ich freu mich so über eure Unterstützung und werde definitiv weitermachen 🙂 Ich freu mich auch schon darauf, Schwangerschafts-Yoga muss ich aber noch üben 😉

  2. Liebe Chrissy, ich sehe das auch so wie Anne. Diese Person hätte viel mehr gewonnen, wenn sie sogar über dich ihr Produkt bewerben könnte oder du das testen und darüber positiv berichten könntest. Das wäre eine Win-Win-Situation und sie hätte sogar von dir und deinem Netzwerk richtig profitieren können. Aber wer es nicht besser weiss, bleibt immer auf der Stelle tappen! Während du mit Yogaline immer weiter gehst und wir dich begleiten und uns an deinem Projekt erfreuen.
    PS: Ich freue mich schon sehr auf unsere Yogastunden!
    Deine Anastasia :***

  3. Liebe Anne,
    ja so eine Lösung hätte ich mir auch vorstellen können 🙂 Ich wollte mir weiteren Ärger durch eine öffentliche Namensnennung ersparen… und genieße lieber weiter meine Reise. Liebe Grüße zurück!

  4. Liebe Chrissy,
    das tut mir wirklich Leid für dich aber Yogaline hört sich auch schön an. Ich kann aber deinen Unmut sehr gut nachvollziehen und finde die Reaktion des Onlineshops (dessen Namen ich schon gerne wüsste und hey, du bist Blogger und hast immer noch Meiningsfreiheit) ehrlich gesagt auch sehr überzogen. Du willst ja schließlich kein Geld mit Yogaline verdienen. Es wäre doch charmanter gewesen, wenn er dir das Produkt einfach zugeschickt hätte und du als „Namenszwilling oder -pate“ es getestet hättest. Dann hätte er jetzt wahrscheinlich ein positives Clipping.
    Genieße deine Zeit in Neuseeland.
    Liebe Grüße aus Hamburg, Anne

  5. Liebe Hannah!
    vielen Dank für deinen Kommentar. Das mit Fashion-Kitchen ist natürlich extrem und absolute Abzocke von dieser Firma. Unglaublich was sich solche Firmen herausnehmen. Gerade wenn Existenzen davon abhängen… Ich finde es super dass sie so darum kämpft! Man fühlt sich einfach so hilflos, wenn man nicht vergleichbare finanzielle Ressourcen für einen Prozess besitzt und ich drücke die Daumen, dass sie erfolgreich sein wird.
    Viele Liebe Grüsse zurück nach Hamburg 🙂

  6. Liebe Christiane,
    nun erübrigt sich ja meine Frage nach der Namensänderung via Instagram. Genau den gleichen Fall habe ich doch vor einigen Wochen erst gelesen. Der Beauty Blog „Fashion Kitchen“ wurde ebenfalls von einer Firma aufgefordert, ihren Blognamen zu ändern, wenn du magst, kannst du die Geschichte ja bei ihr einmal nachlesen. Schade, dass du den Namen der Firma nicht nennst (aber natürlich verständlich), denn dort möchte ich nicht (mehr) einkaufen. Ich wünsche dir viel Kraft und noch eine schöne Zeit in Neuseeland, genieße sie! 🙂
    Liebe Grüße aus Hamburg, Hannah

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