Können wir wirklich wie (Digitale) Nomaden leben?

Ist Reisen der Weg zum Glück?

Digitale NomadenDigitale Nomaden – das wird wahrscheinlich das Wort des Jahres. Es klingt alles so spannend, toll, abenteuerlich und frei. Jahre lang die Welt zu bereisen, ohne die Verpflichtung zu haben, wieder nach Hause zu kommen, um Geld zu verdienen. Ich bin keine digitale Nomadin, aber ich lese zur Zeit sehr viel über dieses Thema. Und jetzt wo ich schon seit etwa einem halben Jahr reise, frage ich mich manchmal, ob wir denn wirklich dafür geschaffen sind, unser Leben lang von einem Ort zum nächsten zu ziehen?

Traditionelles Nomadentum definiert sich als „ganzjährige, nicht motorisierte Wanderung einer vollständigen, sich weitgehend selbst versorgenden Hirten-Gemeinschaft mit ihrem Vieh“ (siehe Wikipedia). Auch wenn diese Form heutzutage sehr selten geworden ist und der Begriff Nomadentum viele andere und auch moderne Lebensweisen umfasst, fällt mir doch auf, dass die Ursprünge sich auf eine Gemeinschaft beziehen und es weniger einsame Nomaden gab.

Über Zweifel, Freiheit, und Einsamkeit

Einige Blogs haben in den letzten Wochen das Thema Zweifel aufgegriffen und ich habe mich in diesen Beiträgen oft wiedergefunden. Wie oft schlagen wir einen Weg ein der sich gut anfühlt, bis plötzlich die leisen Zweifel kommen, man immer wieder hinterfragt, ob das denn alles so richtig ist und war. Wir wissen auf einmal nicht mehr, ob wir eigentlich wirklich gut sind in dem was wir tun, ob es Menschen etwas bedeutet. Oder es fangen auf einmal viele Menschen an, auf dem gleichen Weg zu gehen und plötzlich fühlt es sich nicht mehr so besonders an?

Lange Rede kurzer Sinn: Ich zweifele auch manchmal und frage mich, ob ich durch Reisen wirklich langfristig Glück und Lebenssinn finde? Keine Frage, Reisen ist toll. Nicht umsonst habe ich Tourismus studiert und es zieht mich einfach immer wieder in die Ferne. Es ist fantastisch seine Komfortzone zu verlassen, neue Länder zu entdecken, interessante Menschen und andere Lebenswege kennenzulernen und einfach mal frei zu sein. Gerade letzteres ist für mich eine so tolle Erfahrung. Ich spüre seit Monaten keinen Druck mehr, folge meinem Herzen, höre auf mein Bauchgefühl und lebe einfach vor mich hin, ohne mich zu langweilen. Ich wachse unglaublich an meinen Erfahrungen, werde selbstbewusster, mein Horizont erweitert sich und die Welt fügt sich zu einem großen Bild zusammen.

ABER: Ist das die Lösung all meiner Probleme und Fragen an mein Leben? Muss ich mein Leben lang reisen, um diesen Zustand von Zufriedenheit und Losgelöstheit zu haben? Das kann und darf doch eigentlich nicht sein, weil wo würden wir denn hinkommen, wenn wir alle immer reisen müssten, um glücklich zu sein? 🙂 Letztendlich ist es doch immer so, dass wir unsere Probleme entweder mitnehmen oder sie uns spätestens wenn wir wieder im Alltag ankommen einholen.

Reisen verändert uns, aber nicht unser Zuhause

Natürlich wird sich etwas in mir verändert haben wenn ich wieder zu Hause bin, denn ich konnte mit Abstand auf mein Leben blicken und einen klaren Kopf gewinnen. Aber dort wird wahrscheinlich vieles noch beim Alten sein. Werde ich in der Lage sein, diesen Dingen dann anders zu begegnen? Reisen scheint oft so eine Art Fluchtverhalten zu sein und diese Flucht möchte ich ja gar nicht schlecht reden. Jeder sollte einmal auf sich selbst gestellt sein und die Welt erkunden. Aber wenn sich die Konflikte vor denen wir flüchten nicht in Luft auflösen oder wir es letztendlich doch irgendwie schaffen sie zu überwinden, dann bringt diese Flucht letztendlich nicht so viel.

Ist es also die Lösung, einfach immer unterwegs zu sein? Wird man nicht irgendwann trotz aller neuen Menschen, die man auf seinem Weg trifft und trotz aller neuen Freundschaften, einsam? Wenn ich jahrelang unterwegs wäre, immer von einem Ort zum nächsten leben würde, dann wäre ich immer in einer Art Schwebezustand. Menschen brauchen doch einen Ort an dem sie sich langfristig zu Hause fühlen können. Einen Ort mit vertrauten Menschen, die einen schon Jahre oder ein Leben lang kennen und einen Ort, der einem auf irgendeine Art und Weise Wurzeln gibt. Mit diesen kleinen Zweifeln reise ich jetzt weiter, genieße meine Freiheit und bin gespannt, ob ich so irgendwann das finde was ich suche, von dem ich eigentlich gar nicht so richtig weiß was es ist…

Ich weiß es gibt viele (digitale und nicht-digitale) Nomaden dort draußen und ich würde mich sehr dafür interessieren, ob ihr solche Zweifel manchmal hab, was ihr darüber denkt oder ob ihr vielleicht euer Lebensglück durch Reisen gefunden habt.

Ein Gedanke zu „Können wir wirklich wie (Digitale) Nomaden leben?

  1. Liebe Chrissy,

    Es ist wunderbar, wenn man die Möglichkeit hat zu reisen. Ich trudelte 5 Monate 1980 durch Lateinamerika und möchte diese Erfahrungen nicht missen und bin heute froh, dass gemacht zu haben….und wenn ich es bedenke, hat diese Zeit, auch das Leben in Peru mich geprägt. Aber den Herausforderungen zuhause, an denen man ja auch wächst, kann man nicht entgehen. Mich brennts- beim Lesen Deiner Berichte – in meinem Reiseschuh.* Abstand zu vielem würde mir so gut tun nach all den Jahren. Genieße die Zeit, die Du noch hast in vollen Zügen. Danke, dass Du uns an Deinen wunderbaren Gedanken teilhaben lässt
    * kennst Du das Lied? liebe Grüße

Kommentare sind geschlossen.