Der ungesunde Perfektionsdrang unserer Generation

Perfektionsdrang und die Unfähigkeit glücklich zu sein – Was wir dagegen tun können

Ich merke es nicht nur bei mir, sondern auch bei zahlreichen Freunden und Bekannten fast aller Altersgruppen. Es scheint immer schwerer bis hin zu unmöglich zu sein, einfach nur Glück und Zufriedenheit zu empfinden. Unser großes Problem, ja es wirkt wie Jammern auf hohem Niveau, sind unsere scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten und die daraus resultierenden Erwartungen an uns und unser Leben. Durch die digitale und soziale Vernetzung der Welt steht uns alles offen, wir sehen täglich im Vergleich mit Menschen auf der ganzen Erde, was wir theoretisch mit unserem Leben alles anfangen könnten.

Unzufriedenheit und Glück

Heutzutage haben wir tatsächlich das fragliche Glück und die nötige Freiheit, unserem Leben jede erdenkliche Richtung zu geben. Das perfekte Leben und die individuelle Selbstverwirklichung wirken so nah und wenn wir diese scheinbaren Möglichkeiten nicht nutzen, fühlen wir uns schlecht, unperfekt und minderwertig. Selbstverwirklichung ist heute keine Ausnahme mehr, in unserem Leben spielen wir mehr als je zuvor ausschließlich die Hauptrolle. Unsere Welt dreht sich fast nur noch um das „Ich“, unseren super ausbalancierten, perfekten Lebenslauf zwischen Studium, obligatorischer Weltreise und unverzichtbaren Karrierestationen.

Ist das perfekte Leben ein realistisches und gesundes Ziel?

Dieser Perfektionsdrang zieht sich durch alle Bereiche: Die optimale Beziehung ohne Streit und ewig rosaroter Brille, der Job mit viel Geld und Sinn, der schönste und gesündeste Körper, der hippste Lifestyle, das coolste Hobby, der aussergewöhnlichste Sport… So baut sich im Laufe unseres Lebens eine unglaubliche Erwartungshaltung auf und wir merken gar nicht, wie das Leben sich ganz langsam mit immer mehr Baustellen füllt, die uns unzufrieden machen. Das blöde ist nur, dass wir die Baustellen oft gar nicht mehr aufräumen, sondern einfach weiterziehen. Denn wenn die eine Sache nicht klappt und passt, dann wird sie heutzutage nicht mehr „passend gemacht“ sondern es wird was Neues ausprobiert, weil wir es (leider?) können.

Wir werden jedoch niemals irgendwo ankommen wo es perfekt ist, denn es geht immer irgendwie besser, schöner oder anders. Wir sind nicht mehr in der Lage, einfach damit zufrieden zu sein wie es ist und darum zu kämpfen. Ich möchte damit nicht sagen, dass wir aufhören sollten uns Ziele zu stecken, denn sich weiterzuentwickeln ist wichtig und schön und es ist das, was unser Leben ausmacht. Wir sollten nur wieder lernen, dabei mehr auf unser Herz und Bauchgefühl zu hören und nicht immer zu den anderen rüber zu schielen. Wenn wir gerade zufrieden mit unserer Arbeit sind, dann dürfen wir uns nicht so fühlen, als ob wir etwas falsch gemacht haben, wenn die Bekannte XY schon wieder Bilder von ihrem Trip nach Südamerika auf Facebook postet. Jeder ist dort wo er sein soll, wir können dem Timing unseres eigenen Lebens vertrauen. Irgendwann ergeben alle Puzzleteile dieses Lebens auch Sinn und dann kommt unsere Zeit für einen Trip nach Südamerika, oder auch nicht, denn vielleicht bekommen wir Kinder, fangen nochmal an zu studieren oder gründen ein Unternehmen. Wir tendieren dazu das zu wollen, was wir nicht haben, denn es scheint so viel vollkommener, aber wenn wir es dann haben, merken wir, dass es auch hier genug Probleme gibt. Der Arme mit „Armenproblemen“ beneidet den Reichen mit „Reichenproblemen“ und es ist eine Täuschung zu glauben, dass wir in der Rolle des Anderen glücklicher wären.

Wie können wir lernen mit unserer gegenwärtigen Lebenssituation zufrieden und glücklich zu sein?

  • Dankbarkeit für die grossen UND kleinen Freuden des Lebens fühlen: Freunde, Familie, Tiere, Sonnenstrahlen, das Lächeln der Kassiererin, ein inspirierendes Gespräch.
  • Mit Meditation und Achtsamkeit wieder lernen, die Gegenwart wahrzunehmen und bei sich zu sein.
  • Mit Yoga zurück zu sich selbst finden: Yoga verbindet Körper, Geist und Seele und ermöglicht wieder ein Gefühl der Vollständigkeit, Balance und Zentrierung.
  • Dem Bauchgefühl vertrauen: Wir „zerdenken“ oft Situationen so lange bis sie wirklich zu einem Problem werden und uns nicht mehr loslassen. Meistens weiß unser Herz was zu tun ist und wo wir richtig sind.
  • Erwartungen herunterschrauben: Es kommt meistens anders als man denkt und dann sind Enttäuschungen vorprogrammiert, denn Glück = Realität – Erwartung
  • Das Leben nicht so ernst nehmen: Alles ist vergänglich, nichts ist für die Ewigkeit. Wir sollten auch unperfekte Dinge in unserem Leben zu schätzen wissen, denn sie gehören genau so dazu.
  • Zwischendurch den Weg mit dem geringsten Widerstand wählen – ist auch mal ok 🙂
  • Und übrigens: Auch der weise Dalai Lama sagt: „choose to be optimistic, it feels better

Ich habe angefangen, jeden Abend drei Dinge in ein Heft zu notieren, die mich an diesem Tag glücklich gemacht haben. Nicht jedes Mal sind große Glücksgefühle dabei, aber in der Summe machen mich auch ein sonniger Tag, ein lächelnder Fahrradfahrer oder herumtollende Hunde im Park glücklich. Sollte ihr auch mal ausprobieren!