Interview mit Yogalehrerin Johanna van Löchtern

Verändere deine Gedanken und erfinde dich neu!

Wir denken, dass wir frei sind, das Leben nach unseren Vorstellungen zu gestalten. In Wahrheit sind wir jedoch in unserem Gewohnheits-Ich gefangen. Immer wieder durchlaufen wir die selben Gedanken- und Handlungsmuster. Das ist die unveränderbare Realität, denn so bin ich einfach. Oder? Nein, sagt Coach, Yoga- und Stimmlehrerin Johanna van Löchtern aus Hamburg. Wir haben immer die Wahl, können unser Leben in die Hand nehmen und uns neu erfinden. In ihrem Workshop “Thoughts, Feelings, Actions – Let go of old habits, create new ones!” erklärt Johanna, dass wir die Muster verlernen können. Unser Gewohnheits-Ich ist nur ein Produkt der über Jahre gelernten Verhaltensweisen, die eine Realität kreieren.

Interview Johanna van Löchtern: Verändere deine Gedanken

Es ist der erste Schritte, sich der Muster überhaupt bewusst zu sein. Aber bisher war mir immer unklar, wie der zweite Schritt aussieht. Diesmal war es jedoch anders: Nach dem Workshop ist etwas mit mir passiert. Da war plötzlich diese greifbare Idee von einem anderen „Ich“, das sich zur Zeit immer mehr in meinem Leben manifestiert. Johanna hat sich Zeit genommen, mit mir ausführlich über dieses Thema zu sprechen.

Woher kommt dein Interesse an lebensverändernden psychologischen Themen?

Ich glaube, ich bin mit diesem Interesse auf die Welt gekommen. Schon immer wollte ich die Menschen verstehen und war neugierig, was in ihnen ruht. Ich habe mich schon früh gefragt, wie es  kommt, dass Menschen sich verhalten wie sie es gerade tun und was ihre Beweggründe sind. Dabei habe ich festgestellten, dass die Basis für bestimmte Verhaltensweisen oft schon in der Kindheit geschaffen wird. Aus meiner Neugierde heraus habe ich mit 14 Jahren angefangen Selbsthilfebücher zu lesen. Damals haben sich meine Eltern getrennt. Das war eine schwierige Zeit für mich und ich wollte herausfinden, wie ich es schaffen kann, dass es mir besser geht und wie ich mir selbst helfen kann.

„Es hat Jahre gedauert  zu entdecken, wie ich mich selbst lieben kann“

Damals haben mir die Bücher nicht wirklich geholfen. Mir einfach eine Affirmation wie „Ich liebe mich“ zu sagen, hatte bei mir keinen Effekt. Später hat es mich zum Schauspiel hingezogen und ich haben eine  Schauspielausbildung absolviert. Dort habe ich gelernt, meine Gefühle auszuleben und ihnen Ausdruck zu verleihen. Irgendwann habe ich jedoch festgestellt, dass ich lieber ich selbst sein will und nicht auf die Bühne möchte. Denn beim Schauspielen geht man immer wieder in  andere Persönlichkeiten und muss tief in negative und positive Emotionen eintauchen.

Interview Johanna van Löchtern: Verändere deine Gedanken

Ich habe dann eine ganzheitliche Ausbildung zum Atem-, Sprech- und Stimmlehrer gestartet, weil mich dieser Bereich besonders interessiert hat. Daneben schloss ich die Ausbildung zur Anusara Yogalehrerin ab. Über Yoga und Meditation habe ich so Schritt für Schritt meinen Weg zu Selbstheilung gefunden.

Wieso durchlaufen wir immer wieder die selben Gedanken- und Handlungsmuster?

Unsere Gedanken und Gefühle laufen genauso routinemäßig ab wie das tägliche Zähneputzen oder der Arbeitsweg. Pro Tag denken wir um die 60.000 Gedanken und 95 Prozent davon denken wir unbewusst. Das Unterbewusstsein hat somit eine große Macht auf das, was wir tun, wer wir sind und wie wir handeln.

„What wires together that fires together“

Die Erklärung dahinter ist, dass neuronale Netzwerke im Gehirn entstehen, wenn du einen Gedanken wiederholt denkst. Neuronen die sich dabei verschalten, machen das immer schneller und lieber, um so öfters du diesen Gedanken denkst.

Wenn du auf einmal eine neue Handlung, Gedanken, Gefühle in dein Leben rufen möchtest, funktioniert das meist erstmal nicht. Es gibt noch kein neuronales Netzwerk dafür. Aber das Gehirn ist plastisch. Es kann sich verändern und somit kannst du deine Gedanken verändern. Oft höre ich in Coachings den Satz „Ich bin halt so“. Aber nein! Das bist du nicht! Mit diesem Gedanken schränkst du dich ein und öffnest dich nicht für Dinge, die sonst möglich wären.

Interview Johanna van Löchtern: Verändere deine Gedanken

„Je öfter du neue Gedanken und Gefühle implementierst, umso leichter wird es“

Mit neuen Handlungen vernetzen sich neue Netzwerke und die alten neuronalen Verbindungen nehmen ab. So schaffst du nach und nach Veränderung. Ein  längerer Prozess der meist nicht von heute auf morgen passiert.

Am wichtigsten dabei ist, die neuen Gedanken nicht nur zu denken sondern auch zu fühlen. Es reicht nicht, neue Gedanken zu denken oder dir Affirmationen wie „Ich bin schön“ zu sagen, wenn  das Gefühl dazu nicht stimmt. Gefühl und Gedanke müssen übereinstimmen, damit es nachhaltig wirkt. Sonst gibt es einen inneren Konflikt zwischen Gedanken und Gefühl, wie eine innere Ambivalenz.

Um alte Gedanken aufzulösen arbeite ich viel mit Prozess- und Embodiment fokussierter Psychologie (PEP®). Dabei werden alte Glaubensmuster und Überzeugungen aufgelöst. Das Gehirn wird in dem Moment indem das Gefühl/der Gedanke da ist ausgetrickst und die  neuronale Verschalung dadurch unterbrochen. Das geht sehr schnell und ist unheimlich effizient. Eine Klientin konnte neulich nach einer halben Stunde zum ersten mal „Ich liebe mich selbst“ sagen, was davor nicht möglich war.

Video Dr. Joe Dispensa: Von der Wissenschaft seinen Geist zu  verändern:

Wie schaffen wir es unsere Muster zu durchbrechen und uns neu zu erfinden?

Ich empfehle drei wesentliche Schritte, um wirklich etwas zu verändern:

Schritt 1:
Frage dich, was genau du ändern willst: z.B. ich möchte einen muskulöseren Körper oder ich möchte selbstbewusster sein.

Schritt 2:
Visualisiere, wie du dir deine Zukunft vorstellst: Gib deinem Geist ein konkretes Bild. Was ist deine Idee von dir? Dein Wunsch? Wie genau sieht dieses Ziel aus? Wie fühlt sich dieses Ziel an?

Schritt 3:
Schule dein Bewusstsein: Wir haben, im Gegensatz zu Tieren die Gabe, dass wir uns selbst zu beobachten können (Metakognition). Beobachte dich selbst über den Tag und schule dadurch dein Bewusstsein. Wenn du dich über den Tag in einem Muster ertappst, indem du nicht sein willst, kannst du dich selbst fragen: Ist es das was ich gerade will? Und dann entscheide dich neu! Wie möchte ich jetzt gerade sein? Da du dein Zukunfts-Ich im Kopf hast, hast du einen Leitfaden, welcher die bei der Ausrichtung zu deinem neuen Verhalten verhilft!

Interview Yogalehrerin Johanna van Löchtern: Verändere deine Gedanken

„Was du jeden Tag machst kreiert dein Leben“

Mit diesen Techniken schaffst du es, neue Gewohnheiten in dein Leben zu implementieren:

Visualisierung:
Versetze dich jeden Morgen in der Meditation ganz detailliert in dein Zukunfts-Ich: Wie möchte ich handeln? Wie möchte ich mich über den Tag verhalten? Wie möchte ich heute sein?

Prozess und Embodiment fokussierte Psychologie:
Löse alte Gedanken auf und hilft dir neue Gedanken zu erlernen. Das kannst du z.B. mit Hilfe eines ausgebildeten PEP Coaches machen!

Gewohnheitsliste:
Frage dich ganz bewusst, wie sich dein neues Ich verhalten würde. Schreibe die Gewohnheiten auf und hänge dir die Liste auf. Schreibe genau auf wann du was machen möchtest und dann tue diese Dinge. z.B. „Ich möchte gesünder leben“ – To Do Liste: Joggen gehen, gesund Kochen und Yoga machen.

3 Wörter:
Frage dich ganz bewusst, wie sich dein neues Ich verhalten würde, wenn du es visualisiert hast. Schreibe eine Liste mit den Gewohnheiten, von deinem Zukunfts- Ich und hänge dir diese Liste auf. Sei sehr genau, was es für Gewohnheiten sind und wann du diese Gewohnheit in deinem Alltag integrieren wirst. Dann tue diese Dinge.

Beispiel: „Ich möchte gesünder leben“ – To Do Liste: 2 mal die Woche für 30 Minuten Joggen, Jeden Mittag ein frisches Gemüsegericht essen, 2 mal die Woche ins Yoga gehen. Sei sehr genau damit du auch weißt, ob du die neuen Gewohnheit erfüllt hast!

Wie kann Yoga dabei helfen Blockaden zu überwinden und Veränderungsprozesse einzuleiten?

Yoga ist das Werkzeug um Bewusstsein für den Körper und damit auch für deine Gedanken und Handlungen zu schaffen. Im Anusara Yoga gibt es das Konzept von einem „Optimal Blueprint“. In dem Moment wo du deinen Körper, die Knochen und Muskulatur so ausrichtest, dass der Körper in die optimale Position kommt, beruhigt sich das Nervensystem und der Geist, was wiederum Auswirkungen auf die Gedanken hat. Deswegen fühlen sich viele zu Yoga hingezogen.

Ich finde es super spannend, wie die Körperhaltungen Auswirkungen auf die Psyche haben. Wenn du dich klein machst, dann geht es dir eher schlecht. Deswegen richten wir uns in den Yogastunden auf und strecken den Körper von den Füßen, über die Seiten bis zum Kopf. Sobald du aufrecht stehst, fühlst du dich besser. Vor allem Rückbeugen sind sehr effektiv. Die ganze Vorderseite wird dabei gestreckt, die festen Muskelgruppen vom vielen Sitzen werden gedehnt und der Brustkorb geöffnet. Ein Gefühl von Freiheit, Offenheit und Selbstbewusstsein stellt sich ein.

Weitere Werkzeuge, um dich mit deinem Körper und Sein zu verbinden, sind eine bewusste und tiefe Atmung, Meditation und Stille. Bewusstsein ist der Schlüssel zu Veränderung. Je bewusster du im Moment bist, umso leichter kannst du neue Entscheidungen treffen!

Interview Yogalehrerin Johanna van Löchtern: Verändere deine Gedanken

Kennst du jemanden, der mit Kraft der Gedanken seine Realität verändert hat?

In meiner Jugend wollte ich immer beliebt sein. Jeden Abend, vor dem Schlafengehen, habe ich ganz fest daran gedacht und es mir ausgemalt. Eines Tage ist es dann wirklich passiert und ich fand es  erschreckend! Auf einmal stand ich im Mittelpunkt. Ich war total überfordert, habe Angst bekommen und einen Rückzug gemacht. Aber dieses Beispiel zeigt, in dem Moment wo du dir etwas wünschst und sich dein ganzer Fokus und deine Handlungen darauf ausrichten, wird es auch passieren.

Aber auch in kleinen Momenten  kann schon Veränderung passieren: wenn du dich zum Beispiel nicht traust jemanden anzusprechen. Eine Möglichkeit wäre, dass du in diesen Gedanken und Gefühl bleibst oder du entscheidest dich um und sprichst die Person an. Dadurch hast du schon eine neue Realität geschaffen und erkennst: Ok, ich kann das!

Du möchtest noch etwas über dein Projekt LebensHunger erzählen, das dir sehr am Herzen liegt?

LebensHunger ist ein 8-Wochen Kurs bei dem es um emotionales Essen oder Hungern geht. Ich habe ihn ins Leben gerufen, weil ich früher selber lange unter Essproblemen gelitten habe und noch heute mit den Auswirkungen zu kämpfen habe. Durch eine Therapie habe ich mich intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt.

Ich finde es schade, dass so viele Frauen mit und gegen ihren Körper kämpfen. Das möchte ich ändern. In LebensHunger lernen die Teilnehmerinnen wahrzunehmen, warum sie eigentlich essen oder hungern. Sie schaffen ein Bewusstsein für ihr Essverhalten und  lernen neue Entscheidungen zu treffen. Selbstliebe ist dabei ein sehr großes Thema, um ein gesundes Verhältnis zu sich und seinem Körper aufzubauen. Nur dann kann der Körper heilen.

Der nächste Workshop findet  ab dem 7. Juni statt.

Lebenshunger Workshop Yogalehrerin Johanna van Löchtern

Mehr Informationen zu Johanna van Löchtern, aktuelle Workshops und ganz viel Inspiration: www.johannavanloechtern.com

Buchempfehlungen zum Thema Gedanken verändern:

Du bist das Placebo: Bewusstsein wird Materie (Dr. Joe Dispensa)

Shaolin: Das Geheimnis der inneren Stärke (Thomas Späth und Shi Yan Bao)

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